»Süßer Trost, mein Jesus kömmt« – ich höre die Kantate zum 3. Weihnachtstag (BWV 151) in vollkommener Hingabe an Klang und Kunde – nachdem ich eine halbe Stunde unter der Decke gelegen und den Schlaf nicht habe finden können; der leichte Bettüberzug hat auf den Augen gelegen, dabei das nervöse Flackern der Lider, den Baumwollstoff streifend, ein Geräusch hervorgerufen, das ich als rhythmisches Pochen, dem treppensteigenden Schritt vergleichbar, wahrgenommen; was mich wiederum daran erinnert, daß Sehen tatsächlich als Treppensteigen gelesen werden muß. Das wirft die Frage auf, ob wir, schauend und betrachtend, hinabsteigen oder hinaufeilen?

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)