Kalt und einsam die Nacht; Geburtsort der Stürme, die über unsere Städte kommen werden. »…und in Leichtigkeit zu sterben / Und unter dem Schutz eines zufälligen Daches / Nach dem Tode sich zu entflammen wie ein Wort.« (Arsenij Tarkovskij). Seit so vielen Jahren die quälende Frage, warum unsere Zivilisation weggeworfen hat, was im Grunde ihre höchste Schau gewesen: Die Vision der Auferstehung? Wie klein erscheinen dagegen alle Erkenntnisse der Naturwissenschaften, der Soziologie. In keinem modernen Denken hat diese Verwandlung sterbender Materie in das flammende Wort, den Logos des Uranfänglichen, die Schaffung also eines Sprachcharakters, der ins Verstummen und Schweigen festlich eindringt, einen vergleichbaren Ausdruck gefunden wie in den Essays des Ernst Jünger. Jünger hat leicht und kindlich zuweilen und versonnen über die Auferstehung gesprochen. Mit welcher Häme hat man den Auferstehungsgedanken beiseite gedrängt und nicht annähernd ein Höheres den vereinsamten Menschen gegeben. Man hat ihnen das Wichtigste weggenommen und sie in die Nacht der Fabrikhöfe zum Sterben hinausgeschickt. Das Sterben ist ›schwer‹ geworden in des Wortes ursprünglicher Bedeutung ­– schwer wie ein Mantel, der eine Nacht lang im Wasser gelegen, schwer wie ein Stein, wie ein gefällter Baum. Das Sterben drückt uns in den Staub, zieht uns nach unten – in keine Tiefe zwar (die Tiefe ist der lange Atem der Gedanken); in die Zisterne jedoch, in welche man Jeremia gesperrt. Einsam und kalt die Nacht ––– Einen Gedanken Nietzsches aufnehmend, könnte man sagen, es seien die freien Geister, die zukünftig der Theologie wieder sich zuwenden werden (und sei es im philosophischen Sinne nur, also in Hinsicht auf ein wieder Erwachsenwerden des Denkens). Sie spüren, die freien Geister, sie erahnen das Feinsinnige und Artistische der Metaphysik. »Eine freie Welt kann nur eine geistige Welt sein. Die Freiheit wächst mit dem geistigen Überblick, mit der Gewinnung fester, erhöhter Standorte. Dort werden die Tatsachen erkannt und wiedererkannt, und damit wird es möglich, sie zu benennen, zu ordnen und in ihrem Gang zu bändigen. Dort und von dort aus nimmt auch die Sicherheit zu. Die Freiheit folgt nicht der Sicherheit, sie geht ihr als geistige Macht voraus.« (Ernst Jünger, Antaios, Zeitschrift für eine freie Welt. Ein Programm. SW 14, S. 167)

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)