Ein japanischer Morgen insofern, als er ganz leise die Tür öffnet, sehr fein lächelnd eintritt, die Reisetasche auf den Boden stellt aus Stein und um ein Glas Wasser bittet – zu einer Stunde, da der Autoverkehr längst die Schultern niederdrückt der Straßen und Kormorane vereinzelt begonnen haben, ins schwarze Wasser zu tauchen und zu töten. Man möchte fragen angesichts europäischer Dunkelheit und Kälte, wann endlich Demut in ihrem schönen grauen Mantel wieder durch die Städte gehen und die Menschen an ihren göttlichen Ursprung erinnern wird. Die Flußmündung sagt: »Ich tauge zu nichts, ich bin nur überflüssig« ––– indes ich antworte: »Aber nein – Güte segnet Deinen Weg; zweifle nie; vergiß auch nie, daß alles Strömen, auch hoher Wasser leises Stehn Anmut nur (und manchmal Zorn); der Pirol wird stets wiederkehren.«

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)