Das Geheimnis der Musik ist uns in seinem ganzen Umfang verborgen. Was spricht Musik in uns an? Warum kennen wir kaum jemanden, der nicht Musik hören würde, dem der Kosmos des Klanges nichtssagend wäre ? Neurologen suchen zu ergründen, was beim Hören von Musik im Gehirn geschieht. Therapeuten fragen nach der heilenden Kraft der Musik. Spaziergänger und Jogger erfreuen sich einfach des Knopfes im Ohr. Das Phänomen der Musik ist so geheimnisvoll wie das der Seele. Vielleicht könnte man sagen: Wenn wir deuten könnten, was Musik sei, dann wüßten wir nicht nur um den Menschen in seiner unermeßlichen Vieldeutigkeit, verstünden wir, wie zu vermuten steht, die Art und Weise auch, wie Gewänder der Engel gewoben, geflochten, gegossen, geschmiedet. Ein Herr aus Transylvanien spielt das Akkordeon in den Altstadtgassen ausgesprochen kunstvoll; daß ich an Heinz Holligers Robert-Walser-Vertonungen (»Beiseit: Zwölf Lieder nach Gedichten von Robert Walser«) zu denken gehalten bin. »Die Feuchte Wand / des Abends düstert leis und kalt die Schulterblätter hoch / der Schönheit. Krug, ein Nichts nur bergend / und wie ein armer Tabakladen schön. / Kluge Hand, verblühe nie.«

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)