Es läge mir fern, über die Dinge zu sprechen, über die alle sich auslassen. Selbst eine politische Botschaft würde ich auf verborgene Weise einschmuggeln ins zu Sagende. Solches Verbergen, das Schleichen über Grenzen hinweg, das Setzen auf eine Sprache des Untergrunds darf nicht als Verschlüsseln, als Ausweichen vor der Wirklichkeit verstanden werden – vielmehr setze ich auf eine Ebene des Geistes, die eher spiegelt und abbildet, was in den Herzen und Seelen, in den Hinterzimmern der Natur sich ereignet. »Die Straße ist für mich ein Chor, eine Sinfonie. Es ist unendlich schade, wie vieles ins Nichts gesagt, geflüstert, geschrien wird, nur einen kurzen Augenblick lang existiert. Im Menschen und im menschlichen Leben gibt es vieles, worüber die Kunst nicht nur noch nie gesprochen hat, sondern wovon sie auch nichts ahnt.« (Swetlana Alexijewitsch) Ich wandere über besagte Straße. Ich höre auf die Sprachen, die verstimmten Instrumente, die sich vergeblich nach Reinheit sehnen. Sinnlos, zu wiederholen, was oft und anderswo gesagt wurde, gesagt wird.

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)