Der Weg, den die Dichtung weist, führt zu einer einfachen Lebensgestaltung, zu festlich heiteren Umgangsformen, einem diskret verschwiegenen Auftreten, zu einer Ungezwungenheit, was äußere Formen anbelangt, einem Einzelgängertum, das aus der Quelle einer Barmherzigkeit sich speist (der verzeihend nachsichtigen Lindigkeit des Starez Sossima aus Dostojewskis »Brüder Karamasow«) – letztlich im Sinne eines allertiefsten Verständnisses dessen, was wir jesuanische Liebe zu nennen geneigt sind (einem Wandeln im spekulativen Licht der württembergischen heiligen Philosophie – ich erinnere an Oetinger). Dieser Weg wird wie alle geistigen Wege durch viele Schichten von Schlamm und Tyrannis und Niedertracht führen müssen. Wird es ein nur apokalyptisch zu deutender Weg sein?

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)