Auf dem Deck eines Ausflugsschiffes sind wir, blinde Passagiere, fröhlich ins XXI. Jahrhundert gereist. Im Restaurant unter Deck wurde in wundersam vielfacher Weise das Brot gereicht und die Weine waren reiner als der Traum. Wir schauen zurück auf vergangene Jahrhunderte, gewahren Fabrikschornsteine, Grabmäler, Antennen, Umzüge karnevalesk gestimmter Narren, weite Konzertsäle, in welchen man tragische Gesänge vernommen, zu welchen man lachend geweint (den Humor eines François Rabelais im Rücken)––– um uns her nunmehr die Mauern des Nebels, die Ungewißheit, ob wir die Meere Europas schon verlassen – und kein Kompaß, der Orientierung gewähren würde. Von der großen Kunst ist mir ein schmales Bändchen geblieben mit den Weintrauben einiger Verse und leeren Seiten.

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)