Grauschwarz die Hautfarbe des Baumstamms. Herausgehoben, von entschieden heller Farbe, im Schmerz gleichermaßen verschwiegen, die Wunde, die das Abschneiden eines Astes hinterlassen: die ans trauernde Menschenantlitz erinnernde Schnittfläche. Die Möwenschar, schreiend und schreiend über frisch gepflügtem Acker. Schreie des Lebens, Schreie der Gier; Schreie des Todes. Schreiend die Schar junger Menschen, die im Konzert herumhüpfen, die Arme in die Luft werfen, nie sterben möchten. In andächtiges Schweigen versunken die Besucher eines Kirchenkonzerts. Die nicht abbrechende Kette der LKWs über die Seerheinbrücke hin. Nietzsches Wort vom 18. September 1863: »Ich bin als Pflanze nahe dem Gottesacker, als Mensch in einem Pfarrhaus geboren.« Provenzalischer Wind des Märzes, der vom Märtyrertum Zeugnis ablegt aller Albigenser. Ein alter Hollywoodschauspieler, der sagt, es sei ein großer Irrtum, anzunehmen, daß man bestimmend über den Verlauf seines Lebens verfügen könne. Traumverloren die Uhr. »Wer hat des irdischen Leibes / Hohen Sinn erraten? / Wer kann sagen, / Daß er das Blut versteht? / Einst ist alles Leib, / EIN LEIB / Im Himmlischen Blut / Schwimmt das selige Paar « (Novalis)

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)