Ernüchtert kehrt das vorzeiten trunkene Schiff in europäische Gewässer zurück, wird bald über die Pfütze, an einem Schmetterling vorbei, zurückfinden in jenen Hafen, aus welchem man vor Jahrzehnten geflohen. Über Jahreszeiten, Spielzeiten der Theaterbühnen hin ist die Mannschaft gealtert. Als bestimmendes Thema erweist sich für die Kadetten von 1968 das Sterben nunmehr. Sie waren zu Kronprinzen geworden, zu Kindern einer vermeintlich ganz und gar anderen Lebensordnung. Andere Schulen, andere Tänze, andere Weine, eine andere Sprache. Für die verehrte politische Welt hatten sie eine neue Kleiderordnung erstritten. Den Tod interessiert das alles nicht. Sie müssen das Schiff verlassen und sterben, wie seit jeher gestorben wird. Die ewige Antike des Sterbens. Viele werden weggehen ohne Glaube, ohne ein letztes Abendmahl, ohne den Segen Abrahams. Manche aber, die arrogant und sich selber feiernd ein Vogelnest in die Baumkrone der Vergänglichkeit gebaut, weinen nunmehr an einem Karfreitag in den Kirchen während der barocken, Jesus verehrenden Klänge. Das ehemals trunkene Schiff kehrt zurück, bringt die Krieger nach Hause. »Das Notizbuch auf den Knien, bin ich zuhause wieder / in der Grafschaft all der Wohnsitzlosen; / ich hätte nur noch Dich gehabt, mein / schwarzes Lied, hab nun auch Dich / verloren, kleines, schwarzes Lied, // mein kleines schwarzes Lied.«

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)