Eine Unmenge an Predigten wird gegen die Ohrmuscheln der Gläubigen gespült überall! Das Phänomen solcher ins Unermeßliche wachsenden Wortberge darf nicht dazu führen, daß man, um sich zu unterscheiden, zusehends differenzierter von den Kanzeln herab handle. Zurückzukehren in den Anfang ist das Gebotene. Nicht anders, sondern anfänglich sein (ohne dem Heidegger’schen Verständnis von Anfang zu gehorchen); will heißen: zurückzukehren ins Hören; zu hören, was die biblische Botschaft sagt, bevor die Welt anhebt zu plappern. Der Predigt kommt heute die Bedeutung zu, dem Gläubigen zu sagen, was er anderswo nicht hören wird. Die Anstrengung der Predigt besteht darin, den Stoff, das Tuch, dahingehend zu reinigen, daß die Schmutzflecken des jeweils hierzulande Gedachten herausgewaschen werden, die ursprüngliche Farbe annähernd wieder heraufzuglänzen vermag. Der Prediger muß keine Beispiele suchen aus den Katalogen des Zeitgenössischen (dabei unterwegs stets, sich anzubiedern); er muß den Mut aufbringen, nachtlang zu ergründen, was einem Anfänglichen Sagen entspräche; was darauf hinausläuft, sich gegen die Welt zu stellen; aus der Brunnentiefe heraufzuschöpfen jenes, welches in die Ordnungen sich nicht einfügen läßt; bzw. in seiner Wildheit Ordnung allererst grundzulegen begabt ist. Insofern wird die Predigt sich erweisen als Gesang des Anfangs (und dabei, nun wieder im Sinne Heideggers, Anfang nicht chronologisch verstanden, sondern als das Alpha und Omega Umfassende des ganzen biblischen Schrifttums: die Bibel ein einziger Buchstabe, der hoch aufglänzende, graphisch heraustretende Initialbuchstabe aus allem anderen und übrigen Schrifttum des Irdischen). Insofern kann es kein anderes Thema geben als die Rinheit der biblischen Botschaft selbst (und Differenzierung bestünde darin, dieser anfänglichen Reinheit im Laufe der jahrelangen Predigttätigkeit sich anzunähern – weiß Gott ein schwieriges Unterfangen). Schließlich wird die aus jesuanischer Sicht gelingende Predigt einstimmen in die göttliche Kadenz, die immer nur lautet: »wa-jomer Adonaj (…und Gott sprach….)«  – und nie anders lauten wird.

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)