Die weißrussische Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin Swetlana Alexiewitsch gibt in einem Gespräch mit dem schwedischen Regisseur Staffan Julén (Ord&Bild / 5. Januar 2018 ) zu bedenken , die Menschen sprächen nie über Glück. »People talk about the war or about Chernobyl. But only rarely do people talk about happiness. A feeling grew on me that people didn’t talk about the things that really matter in human lives. And I’d look back over my own life. My childhood, for instance. My parents never spoke about happiness. About how you ought to be happy and grow up. How beautiful life is, how joyful it is when love comes to you. How you will have children but not only that, you will also find love. And that it is something so enigmatic, so interesting. But … all the talks we had were about death and the mother country. Talks about what is important about being human simply never happened. Later in life, it was just more of the same. Of course, people did fall in love and led their lives. But there never seemed to be … a philosophy of life.« Eine Aussage, die mich tief erschüttert hat. Tatsächlich habe ich in meinem 36 Jahre währenden Predigtamt, in all meinem Verkündigen, Woche für Woche nach genau diesem Glück, einer Lebensphilosophie, gegraben. In entschieden elementarer Weise deute ich den Glauben als ein Geschenk, angesichts der Gräber dieser Welt doch lachen zu können. Der Christus tanzt inmitten dieser Welt. All mein Predigen hat, schlicht gesagt, um dieses Glück gekreist. Diese Predigt hat in mir gelebt. Darum kann ich auch sagen, daß ich, ungeachtet aller melancholischen Prägung, ungeachtet auch der Tatsache, daß mein Predigen oft sich in einer Leere und Ferne verloren und verirrt, ein glücklicher Mensch bin (»ohn all mein Verdienst und Würdigkeit«).

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)