Wir wissen nicht, wieviel Krieg in unserer Welt ist. Alle starren gebannt auf benennbare Kriegsherde. Darüberhinaus aber die schwelenden Konflikte unterhalb möglicher Erkenntnismächtigkeit. Heraklit deutete den Krieg (pólemos) als wirklichkeitsstiftendes Prinzip überhaupt; daß das Kriegerische als Prinzip mitnichten verurteilt werden könnte als schlechtes, jeder Erziehung widersprechendes Verhalten – vielmehr als tragisches Moment der Geschichte überhaupt zu gelten hätte; und der Einzelne nur, als Erschütterter, denkerisch zwischen allen Fronten Stehender, sich dagegen zu stellen das Charisma hätte (ungeachtet seiner nahezu ohnmächtigen Handlungsmöglichkeiten). Kriege werden wiederkehren. Kriege kommen und gehen. Wir wissen nicht, in welcher Gestalt der Krieg in unsere Jetztzeit wieder treten wird. Über Jahrzehnte hin jedenfalls unberührt zu sein vom schlechten Atem der Schlachten, die Auseinandersetzungen im Alltäglcichen zwar ertragen, gleichwohl nicht um das Leben bangen zu müssen – ist Gnade! Bleistiftgrau die Wolkengehöfte an jenen Straßen, über welche unaufhörlich der Verkehr fließt.

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)