Der Dirigierstab der Schatten bringt Ordnung in die Morgenfuge. Gedanken blättern in Tagebüchern des Traums. Wir stehen vor einer Wiederentdeckung der ›Emblematischen Theologie‹ Friedrich Christoph Oetingers. Es gilt die Symbole (die gleichzeitig Grenzzäune, bewahrende, sein können des Denkens wie auch Seefahrten ins Unbenennbare) neu zu deuten. Die Ulme, die Rebe (Jes. 41, 19., mögliche botanischen Wurzeln der Theologie). Die Pariser Existentialisten haben Kierkegaard seines Glaubens beraubt; die Linkshegelianer haben Hegel den philosophischen und theosophischen Bibelrealismus Oetingers (die eigentliche Inspiration der Tübinger Stiftler) weggenommen. Ohne Emblematik gehen wir ratlos am Baumeister und Architekten Jesus vorüber wie an der modernen Dichtkunst. Symbole sind nie beliebig. Und wenn sie doch Würfelwürfe wären, die Symbole, würde gelten, daß im vermeintlich Beliebigen des Wurfs eine verborgene Schönheit nistet (ein Maß, wuchernd und ausgreifend ins Unbekannte wie auch immer); ganz im Sinne des Stéphane Mallarmé: »Un coup de dés ne jamais n’abolira le hasard / Ein Würfelwurf wird niemals den Zufall aufheben.« Wir retten uns auf die Inseln poetisch freier Sprache im Ozean der Algorithmen (festgefügter Befehle an die blind folgende Materie). Das frei Gefügte der Poesie ordnet sich zur Fuge (aber nie auf Befehl, immer auf Geheiß der Liebe und der Schönheit). Die Emblematik Oetingers hilft uns, die dichterische Sprache der Bibel wieder entziffern zu können.

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)