Der Negation eignet eine unleugbare Kälte, ein monologisches Moment. Das Nein streicht durch. Dein Glaube ist ein bewußt angelegter englischer Garten. Die Anordnung der Sträucher, der Beete, der Bäume verdankt sich einem geduldigen Nachdenken, der mühseligen Erwägung. Der Garten wird gepflegt. Du würdest dir wünschen, der Vorübergehende hielte doch inne, würfe einen Blick über den Zaun, würde die Differenziertheit der Anlage würdigen, die eine oder andere Frage nach der inneren Architektur der Anlage stellen, lächeln, den Kopf schütteln, einen Schritt zur Seite tun, weitergehen und doch sich noch einmal umwenden und einen Blick über die Schulter auf das Ganze werfen – allein, Atheismus erweist ausschließlich als Negation sich. Der Atheist geht vorüber; er würdigt deinen Garten keines Blickes. Er äußert dieses schroffe Nein (»interessiert mich nicht, geht mich nichts an«, die Geste der Zurückweisung). Als Grundhaltung eines gläubigen Ergriffenseins hat die Aufmerksamkeit zu gelten. Das Zugehen auf den anderen und das andere. Ein dialogisches Ausgerichtetsein. Ein Verstehenwollen. Ein Wittern, Sorgen, Erfragen, ein leises Sich-Entgegentasten; ein Fragen, was ein Rätselhaftes wohl bedeuten möge. Im Gläubigsein verbirgt unbedingt ein Tasten sich, ein Erspüren der jeweiliger Umrisse. Dagegen immer nur dieses monolitische, eisigkalte, atheistische Nein (»Der Kosmos Deines Gartens interessiert mich nicht.«) Dies Basta. Der Glaube ist wild, offenherzig, naiv (allerdings im Sinne einer reflektierten Naivität, einer bewußten Hingabe ans Staunenwollen) – das alles meint ›Demut‹. Es kann keinen strengen Glauben geben (nur den entschiedenen, der Hingabe sich öffnenden); strenger Glaube erinnert an Atheismus, an dieses ein für alle Mal ausgesprochene Nein. Basta, basta. Jesuanischer Glaube geht übers Wasser, setzt also behutsam Schritt vor Schritt und in den Augen ist ein Flehen, die Hilflosigkeit, das Bangen. Der Glaube ist der mit seinen Ästen nach allen Seiten hin ausgreifende (nie aber vereinnahmende, stets nur der sich zeigende und im Zeigen sich verneigende, windgeschüttelte) Baum; der Athesimus ist die Axt. Glaube denkt sich in das Kunstwerk hinein; eröffnet die Vielfalt der Annahmen, Verwerfungen, der neuen Anläufe des Verstehens. Der Gläubige ist ein schwacher Mensch (Aljoscha in den Brüdern Karamasoff!) Der Atheismus kennt nur das Ja, das Nein. Im Atheismus spricht sich das Verlangen nach einem In-Ruhe-Gelassenwerden aus. Die Negation erweist als das Erstarrte sich. Hegels ganzes Bemühen zielt auf ein Überwinden des Neinsagens. Im negierenden Blick offenbare sich doch gleichermaßen das Andere eines bislang noch nicht Wahrgenommenen. Hegel war ein gläubiger Mensch. Der Tag ist erwacht; auf Zehenspitzen tanzt er, als ob er über’s Wasser ginge, auf dem Scheitel der Gräser. Ein von der Jesusfreude ergriffener Tag, der das Papierchen, in welchem das Hustenbonbon eingepackt war, glattstreicht, eine Papierschwalbe daraus formt und das so gefaltete Vögelchen dem Wind schenkt, dessen Weite. Der Wind ist (wie der Priesterkönig von Salem, Melchisedek, der das Brot bringt und den Wein) ohne Anfang und ohne Ende (Melchisedek »ist ohne Vater, ohne Mutter, ohne Stammbaum, und hat weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens« Hebr. 7,3). Wind, ohne Anfang, ohne Ende. Jesus –––

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)