Pfingstrosen in einer hohen schwarzen Vase lassen die Blätter fallen. »Einzig eine fallende Blüte ist eine vollkommene Blüte, hat ein Japaner gesagt. Man ist versucht, dasselbe über eine Zivilisation zu sagen.« (Cioran) Korinthisches Auferstehungsdenken insofern, als gerade im Niedersinkenden, womöglich Abseitigen, Verborgenen, eine Kraft nach oben zieht, welcher die Welt, wie innig sie sich auch dagegen stemmen mag, nichts entgegenzusetzen weiß. Cioran spricht über das Geheimnis des Glaubens. » Wenn das Gefühl, daß die Welt ein Geheimnis birgt, je aus der Menschheit entschwindet – ist alles zu Ende. Ich glaube aber nicht, daß es so weit kommen wird…« (Gershom Scholem, Winter 1973/74). Ich höre die Bach-Kantate »Am Abend aber desselbigen Sabbats« ( BWV 42). Die einsame Arie »Wo zwei und drei versammlet sind / In Jesu teurem Namen« scheint für alle in der Welt Fallenden geschrieben, komponiert zu sein. Aufleuchtet jenes geheimnisvolle Lächeln der Schwermut, jenes allverklärende… Unter meinem Fenster befassen sich drei junge Männer, die wie Söldner gekleidet eines nie zu Ende gehenden Kriegs, liebevoll und zärtlich mit einem Moped, kraulen und segnen Rahmen und Motor des stummen Gefährts. Ich gehe an der Seite der Bach’schen Instrumente (steigendes und fallendes und wieder steigendes, flackerndes wie auch fest gefügtes Klingen) den weiten Weg (den wunderbar einsamen Pfad durch Wiesen frühlingshaft verregneter Städte) – bis endlich die Altstimme anhebt zu versichern: »Wo zwei und drei versammlet sind / In Jesu teurem Namen, / Da stellt sich Jesus mitten ein / und spricht darzu das Amen.«

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)