Ich denke dieser Tage oft an E.M.Cioran. Ich habe einige seiner Bücher wieder gelesen. Ich liebe dieses Schrifttum der Schwermut, der Verzweiflung, des Lachens, Schrifttum eines verzückten Stils. Thomas Mann schildert in seinem Roman DR.FAUSTUS das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn. Der war, wie E.Cioran, ein dionysos philosophus, ein Künstlerphilosoph von nietzscheanischer couleur. Am Ende des Romans die Schilderung der Beerdigung Adrian Leverkühns. »Am 25. August 1940 traf mich dahier in Freising die Nachricht vom Erlöschen der Reste seines Lebens….Am offenen Grabe auf dem kleinen Friedhof von Oberweiler standen mit mir, außer den Angehörigen, Jeannette Scheurl, Rüdiger Schildknapp, Kunigunde Rosenstil und Meta Nackedey, dazu eine unkenntlich verschleierte Fremde, die, während die Erdschollen auf den eingebetteten Sarg fielen, wieder verschwunden war.« Wer nur war die verhüllte Unbekannte an Adrian Leverkühns Grab? War es jene Hoffnung, die für den gekreuzigten Christus steht, war es dessen inkarnierte Gegenwart, die dort anhebt, wirklich und wahr zu werden, wo gestorben wird? Ob sie, die unkenntlich verschleierte Fremde, auch am Grab auf dem Friedhof Montparnasse kurze Zeit gestanden, in das man den am 20. Juni 1995 in Paris (an der Alzheimerkrankheit) verstorbenen Schriftsteller E. Cioran gelegt?

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)