Was unterscheidet ein Fest vom Ewigen Leben? Das Fest, so meine ich, sei schön (im Sinne des Erhebenden) vor dem eigentlichen Statthaben. Das Feierliche des Festes entdecken wir im Voraus des tatsächlich sich dann Ereignenden. Man lebt fiebrig und herrlich berührt von den großen Wintern auf das Fest zu. Das Ewige Leben hat seine Freude in sich. Das Ewige Leben hat kein Anfang und Ende. Es ist da; ist immer da. Eines näheren oder ferneren Tages werden wir eingetaucht und vollständig ergriffen vom Gesang. In den Momenten des Ahnens und Glaubens oder Nicht-Glaubens, solange wir durch die Drehtüren gehen unablässig (im Kreis uns drehen) des Hierseins, uns also außerhalb meinen der Erfüllung, gehören wir den Zyklen von Wach- und Müdesein, ist alles Anfang, ist alles Ende, sind wir wie Postboten unterwegs und suchen Briefkästen, in die wir irgendeine vermeintlich bedeutende Botschaft einzuwerfen gesonnen sind ––– wir aber vergeblich fahnden nach dem Wohin der Zustellung, der Ort des Briefkastens uns verborgen bleibt, wir eigentlich nur Ziffern sind auf Kulissen, die beim geringsten Sich-Auflehnen eines Wetters in sich zusammenstürzen. Nachdem ein Fest zu Ende, die Lichter erloschen sind im Saal, hebt das Wiederkäuen an eines zusehends sich verbrauchenden Schweigens. Die Stunden nach dem Fest sind die traurigsten. Man ahnt, wie leer der Kelch; andererseits werden uns die Augen geöffnet, daß es eigentlich nichts anderes gibt als das Ewige. Würde auch die Reich-Gottes-Fülle ihre Melodie vergessen, bliebe von unserem ganzen stolzen, kleinen, verwegenen, ach so sehr schönen, vergessenen und gewitterüberdunkelten Dasein das Bild nur einer einzigen vor Kälte zitternden Krähe im kahlen Gitter der Ulme. In diesen Augenblicken der Frühe hebt der Gesang an des ersten Vögelchens. In diesen Tönen ist viel mehr an Flug als im Vogelkörper selbst.

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)