Eine theologische Grille zur Akedah (Die Bindung Isaaks, Gn.22). Martin Heidegger wanderte in das Land Morija, dort, auf einem Berg den alten Gott der Metaphysik als Brandopfer auf einem selbstgebauten Altar darzubringen – anders als Abraham, der seinen Sohn Isaak zu opfern im Begriffe war. Heidegger fesselte den Gott seiner Kindheit, legte ihn »auf den Altar oben auf das Holz«. Martin »reckte seine Hand aus und faßte das Messer«, daß er seinen alten Gott schlachtete. Und Martin hörte unvermittelt den Engel rufen des Herrn: Martin! Martin! Er antwortete: Hier bin ich. Und der Engel gebot, die Hand nicht an den alten Gott zu legen. Und wen opferte Martin dann an seines alten Gottes Statt? Das ist die Frage. Im Falle Abrahams gilt, daß dieser seinen Sohn der Menschheit zeigte und gab und heute immer und immer wieder von Isaak gesprochen wird. Martin dagegen verbarg seinen alten (geretteten, vom Engel bewahrten) Gott vor der Öffentlichkeit. Wie dieser im dunklen Versteck des Heidegger-Denk-Palastes seine Tage wohl zugebracht, der alte Gott? Ob Martin zuweilen mit ihm gesprochen, ihn heimlich verehrt, ihm sogar als Diener zur Seite gestanden – abends wenigstens ihm noch einen Gute-Nacht-Kuß auf die Stirn gedrückt? Ob Martin den alten Gott in einem Hinterhof-Schuppen des Denkens versteckt, ihn in der Dunkelheit, nach getaner Arbeit des Tages, an der Leine noch ein wenig ausgeführt – womöglich über die immergleichen Wege hin?) Hätte je irgend ein Spaziergänger Martin gesehen, wie dieser hingegangen an der Seite seines alten Gottes?

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)