Wunderbar das Kraftwerk der Bienen auch in diesem Jahr; stundenlang dies wundersame Zusammenklingen der summenden Tätigkeit tausender Insekten. So wünschen sich viele, daß es im gesellschaftlichen Ganzen der Demokratie ein vergleichbares Zusammenwirken gäbe. In allen Bereichen wird die interdisziplinäre Orientierung eingefordert. Ein mündiger Bürger – sein Beitrag zum Ganzen; der gesellschaftliche Diskurs, der parlamentarische wie der außerparlamentarische, klammert sich an diese Option, die soziale Perspektive – man ersehnt diesen Bienenschwarm der Subjekte (die, in ihrer Jeweiligkeit geborgen, das Gemeinwohl im Auge haben, der gemeinsamen Melodie sich verpflichtet wissen; daß alle entsprechendes Liedchen pfeifen würden). Tatsächlich sind die Bereiche fein säuberlich getrennt. Die Parteiungen werden auseinandergehalten. Hier die Anhänger von Rock- und Pop; dort die Verehrer ernster Musik; die politisch Inspirierten, die Sportbegeisterten, die Tätowierten, die philosophisch-poetisch Gesonnenen, und und und ––– sie verharren in ihrer Jeweiligkeit, das Gespräch über Grenzen hinweg wird tunlichst vermieden. Es ist wie in den Tierställen der Landwirtschaft oder wie in Fußballarenen, wo die jeweiligen Fanblöcke in ihrem umgitterten Feld ausschließlich sich aufhalten dürfen. Von hoher Bedeutung, daß melancholische Einzelgänger ausgegrenzt bleiben: die dürfen an Waldrändern hingehen wie auch an Rändern alter Städte. Zersiedelt also wie nie zuvor die Flußtäler westlicher wie östlicher Gesellschaften. Das große Theater zwar, die Sehnsucht nach einer gemeinsamen Sprache – die Zersplitterung dagegen im Licht des Alltäglichen. Ich sitze am Caféaustischchen, rauche meine Zigarre, summe die andere Melodie vor mich hin.

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)