Sprache, die Art des Sprechens, verändert sich von Generation zu Generation. Wovon viele sprechen: Daß englische Begriffe aufgetaucht, daß Dialekte verschwinden – das alles, meine ich, sei zweitrangig. Der eigentliche Wandel hat sich im Bereich einer rhythmischen Prägung der Sprache vollzogen. Man kann, aus der Art, wie die Leute sprechen, Rückschlüsse ziehen auf die Musik, die sie hören. Musik gibt den Rhythmus vor, den Flug der Laute. Ich höre junge Menschen atemlos jetzt sprechen, in ihrem Sagen keine Brosame von Sehnsucht, kein allmähliches Verklingen einer abendlichen Stunde. Alles wirkt gehetzt. Alles ist Jagd. Alles gebärdet lautstark sich und schroff, es ist das Hämmern der Schlagzeuge, das Bellen der Hunde, der Schrei der gejagten Tiere; die Atemlosigkeit des Flüchtenden. Sprache hat die Schatten jeder Nachdenklichkeit verloren, unterbrechende Pausen kommen nicht mehr vor (allenthalben als Stottern und fiebriges Ringen um einen in Vergessenheit geratenen Begriff); Sprache hat die Sinnlichkeit eingebüßt, den Charme verloren jener traurigen Melodien, sie so lange Erde gewesen waren der Sprache. In unserer Sprache wohnt nicht länger die Mozartheiterkeit spielender Kinder. Merkt auf und hört, wie es auf die Sterblichkeit der Boote mit den schwarzen Segeln sich legt: das Geschrei und Gelächter verzweifelter Menschen.

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)