In nicht allzu ferner Zeit werde ich mit der Niederschrift einer neuen Theologie beginnen (obwohl mir das Wort ›neu‹ in dieser Hinsicht schwer nur über die Lippen geht; ich sollte von einer ›alten‹ Theologie sprechen). Ein wesentlicher Teil der Betrachtungen wird ums Verständnis dessen, was wir Schönheit zu nennen geneigt sind, kreisen; wobei eine ganz andere Annäherung an den geheimnisvollen Begriff (welcher viel mehr darstellt als ein Begriff dies könnte) zur Ausführung kommen wird. Überhaupt soll eine anders geartete Sprache die Bühne betreten. Ich bin überzeugt, daß ein bedeutungsschweres theologisches Zeitalter anbrechen wird. Wider allen Augenschein wird die Theologie zu den vornehmsten Kleidungsstücken wieder zählen in den Schränken. Wer an der Kirche festhält, an Gottesdienst, Gebet und Theologie (diesem wunderbarsten aller Gewänder des Nachdenkens) gehört zur Avantgarde, zur Minorität feiner Geister. Wie geschwind sich Großwetterlagen der Kultur auch ändern können! Sie werden staunen, die heute mit so großer Selbstgewißheit im verschwätzten , gleichwohl armseligen Atheismus verwurzelten Frauen und Männer, wie urplötzlich aus schmerzverdunkelten Wolken Scharen der Vögel brechen werden, Inbegriffe einer dann schier unstillbar anmutenden Sehnsucht nach theologischem Wissen, nach Bibelgeheimnis, nach gehaltvoller Kaffeebohne und gelungen herausgebackener Laugenbrezel. Das Plappern der Regentropfen, das Tempelgebet der Hochzeitsgäste, das Knien eines Kindes vor Klavierklängen aus vergittertem Saal eines verträumten Anwesens am Fuß der schwäbischen Alb.

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)