Nicht nur die Poesie – auch das Tier ist uns abhandengekommen. Das Pferd. Der Wolf. Die Katze. Unsere Augen erkennen nur noch die Schatten eines Tieres, das zum Möbelstück herabgewürdigt wurde im Wohnzimmer des Bürgers. Auch hat man die Sprache der Tiere herausgetrennt aus dem Abend einer Stimmenschmiede. Die Tiere sprechen jetzt die Hochsprache des Landes mit dem leisen Unterklang von Ironie und Anarchie. Sie wollen nicht mehr gehorchen, wurden in die Welt der Individuen integriert; können keine Kinder mehr sein. Béla Tarrs Film »The Turin Horse« hat das letzte Pferd gezeigt der Welt. Nietzsche war diesem Tier noch um den Hals gefallen, bevor es in irgendeiner Weite und Steppe verschwunden.

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)