Das Buch »Waldlichtungen« der María Zambrano gehört zu den Büchern, die ich bewundere. Im Jahr 1977 ist es in Barcelona (»Claros del bosque«) erschienen. Die Mitte darstellend eines lebenslangen Denkens, darf es, aus gründlichstem philosophischem Wissen herausgeboren, schlicht und ergreifend als schön bezeichnet werden. Es trägt das Gewand einer poetischen Sprache; kreist um Schönheit, Sein, Zeichen, das Heilige…Es zeugt, gerade auch was die Form anbelangt, von einem zu Ende gegangenen Weg. Die allermeisten philosophischen Publikationen dieser Jahre erscheinen dagegen als Vorarbeiten (ein fleißig Zusammengetragenes und mühsam Erdachtes findet keine sprachliche Form). Unter dem Deckmantel einer vermeintlichen Wissenschaftlichkeit gehören sie in der Tat zum Sekundären (und stehen insofern in einer Reihe mit den verharmlosend unfertigen Traktaten religiöser Sektierer, reihen sich ein in den Demonstrationszug des Mittelmäßigen – um nicht zu sagen: Überflüssigen, welches in Kirche, Theater, Universität und Museum, in der Politik ohnehin, im Kulturbetrieb überhaupt die Herrschaft angetreten). Es fehlt dem philosophischen Wirken heute an Charis – Heidegger übersetzt Pindar wunderbar: »Aber das alte nämlich schläft das schenkende Leuchten der Anmut«. Unser geistiges Leben leidet unter einem Mangel an Charis, einer » Anmut, die / mondgleich bald / verblaßen würde, unter- // ginge // Ein leichthin sich verschenkend Wesen; Ankunft / einer unbestimmten Heiterkeit / von irgendher – // Lächeln das wie Neuschnee auf den Dächern einer nie besuchten Stadt // Lächeln das der Name eines Flusses wäre der in dir flösse / den du jedoch noch nie / gesehn.« Gott schenkt uns Bücher, in welchen jene Anmut nicht nur dargestellt, mehr noch: Fleisch geworden; Bücher, die die Anmut spiegeln eines Johannesevangeliums. Wo aber die andere Sprache finden für die Philosophie?

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)