»…daß hier die Frage nach dem Tod im wesentlichen Bezug steht zur Wahrheit des Seyns und nur in diesem Bezug; daß daher hier nicht und niemals der Tod als die Verneinung des Seyns oder gar der Tod als »Nichts« für das Wesen des Seyns genommen wird, sondern im genauen Gegenteil: der Tod das höchste und äußerste Zeugnis des Seyns.« (Martin Heidegger, Beiträge zur Philosophie (Vom Ereignis), GA 65, S. 284). Ich habe über Jahrzehnte hin auf den Friedhöfen gestanden der Welt und gerade in diesem Sinne für ein anderes Verständnis des Todes gekämpft (ja gestritten). So viel liegt mir daran, davon zu künden, daß das Sterben in der Tat einem Aufstoßen der Tür entspricht. Sterben ist die tiefste Erfahrung eines Menschenlebens. Dann berührt uns wirklich göttlicher Atem. Wir werden keinesfalls durchgestrichen. Etwas geschieht, das ich bezeichnen möchte als »Begegnung mit dem Christus«. Ich fühle mich außerstande, Näheres über das Ereignis dieser Begegnung zu berichten. Aber sie wird stattfinden. Allein in dieser Begegnung wohnt ein unermeßlich festliches Empfinden. Ich wandere durch die Alpen, gehe über einsame Höhenwege der Dolomiten. Jeder Schritt wird getan in der Gewißheit, daß alle Augenblicke meines Daseins erfüllt sind von jenem Geschehen, welches wir »Begegnung« nennen. Diese, die Begegnung, geschieht während meiner Geburt bereits. Zu »einem« Tropfen Begegnung gesellt sich ein zweiter, ein dritter, ein vierter….Am Ende wird alles nur noch Begegnung sein. »Sowohl auf Strafgaleeren wohnen die Gedanken / Als auch im weißen Vogelflug // Abgrund, der sich aufwirft zwischen Todverfallenheit / Und einer Heiterkeit der Alpenpfade // Obstgärten des Abends liegen schwarz geschrieben wie Augenringe / Unter allen diesen Städten der Vergeblichkeit // Es kriecht der Tag aus müder kalter Vogelstimme. Geflatter / Vor dem Fenster – wer das Fenster  ahnungslos geöffnet« (Tragische Theologie)

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)