Es hat etwas Verstörendes, von Sozialingenieuren immer wieder verortet zu werden in Hierarchien der Stadtviertel. Ausgehend von einer vermeintlichen Allwissenheit setzen sie das Kreuzchen, Deine Träume, Deine Personalität, Deine Gottabkünftigkeit als Zeichen zusammenfaßend, irgendwohin: neoliberaler Mittelstand, kleinbürgerliche Herkunft, arrogante Führungsschicht…Dabei ist es, wie Kierkegaard nicht müde wird,  hervorzuheben, gerade der Glaube, der im Einzelnen ein Unableitbares, Exterritoriales festschreibt, ein Stein, der sich, anders als die Tablette sozialwissenschaftlicher Verortung, nicht auflösen läßt in der Suppe des XXI. Jahrhunderts und der jeweils herrschenden Deutungshoheiten. Ich liebe geistige Haltungen, die für ein Fremdes stehen und als Botschaften eines Anderswoher die wertschätzende Bewahrung, ein Verharren im Unangetastet-Bleiben, verdienen. Außerordentlich spannend, der feinen Beobachtung sich verdankend, ein Beitrag der Soziologin Cornelia Koppetsch im neuen Merkurheft (»Nostalgie. Soziolgiekolumne«). Allein, es gibt die andere, weltabgewandte Seite des Mondes.

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)