Vor zwei Tagen, am Samstag, den 15. September, schrieb ich, Christus, der Auferstandene, erinnere an eine Stadt. In den koptischen Bartholomaeustexten »Das Buch der Auferstehung Jesu Christi, unseres Herrn« (kurz »Liber Bartholomaei«) findet sich die Aussage: »…Du wirst von den Seraphim ›Stadt des großen Königs‹ genannt werden…«Schade, daß ich nicht zum Kreis jener zählen durfte, die apokryphe Bibeltexte damals verfasst. Ich hätte unzählige Metaphern gefunden, welche um die erfahrbare Gegenwart Christi in unserem irdischen Leben kreisten. Die Predigten, die ich während meiner 36 Jahre währenden Kanzeltätigkeit gesprochen, würden, einer entsprechenden Prüfung unterzogen, eine reiche Ernte an entsprechend apokryphen Metaphern ergeben. Die zuallermeist von Hand verfassten Predigten – man könnte sie als poetische Filmnovellen deuten, die unentwegt die Kamera aufgefordert, um Christus und seine unmittelbare Umgebung, im Sinne einer großen recherche, zu kreisen. Alle diese Predigten habe ich dem Feuer übergeben. Sie bleiben in manche Herzen aber eingeschrieben (bis diese dann auch zu schlagen aufhören werden). Unsere Sprache ist verurteilt, unterzugehen. Auch die heiligen Texte des Ursprungs werden verblassen – dagegen der Christus deutlicher und deutlicher wahrnehmbar sein wird über dem Abend des menschlichen Dorfs.

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)