Zuweilen verliert man das Gefühl einer durchschnittlichen Alltäglichkeit (wie die Seele eine solche zuweilen braucht, indes sie, die Seele, auf das hierarchische Empfinden eines stets Höheren gleichermaßen angewiesen) aus den Augen. Ergriffen von der Ekstase eines geistigen Zustands (des Eingetauchtseins in die geistige Welt mit Haut und Haaren, des Verfolgens eines dich aufwühlenden Gedankens) entladen sich die Gewitter einer inneren Unruhe. Aufgewühltsein des tragisch empfindenden Menschen, gegen das aufzulehnen kein Mensch die Kraft aufbrächte. Nichts mehr in Ruhe verrichten zu können – einfach dazustehen, eine Tasse Tee in Händen, vor sich hinzustarren auf den Staub mit seinen Goldmünzen – die immerzu von Innen heraus jedes Maß angreifende Nervosität, die die Seele wund sein läßt, die Oberfläche aufrauht. Zustand des unruhigen Herzens. Unvermittelt dann der Absturz, das mächtige Aufschäumen einer Müdigkeit abgrundtief. Alles, was man an geistigen Feldern umschritten (was so sehr ersehnt gewesen), verliert sich in der Ferne wieder des Alltäglichen. Das Gewöhnliche, alles überflutende Macht nunmehr, die von allen deinen Gefühlen Besitz ergreifen wird, hat dich zurückbekommen. Du bist hin- und hergerissen zwischen den Augenblicken des Geistigen und des Banalen. Gleichwohl: lasse dich nie blenden von irgend einer Aussichtslosigkeit ––– das Boot treibt immer, immer irgendwo hin.

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)