Gefallen finde ich durchaus am Ein- und Ausräumen der Geschirrspülmaschine – man möchte den trügerischen Eindruck eines Geordnetseins der Dinge annehmen in einer Welt, die uns ganz anders, ganz und gar ungeordnet tag- täglich begegnet. Die alltägliche Geste vermittelt (trügerischen) Trost, schreibt eine Art platonischen (kosmische Ordnung stiftenden) Dialog in die Handflächen meiner Zeit; nicht fühle ich mich dem Chaos ausgesetzt, ganz und gar verloren, zimmere, die Geschirrmaschine ausräumend, eine minutenlang dem stürmischen Regensturz widerstehende Hütte des Geborgenseins. Der Alltag zeigt sich nicht ausschließlich von seiner banalen, mediokren Seite; er kann schön sein, mild und sich geduldig erweisen dergestalt, daß er mir vorspricht: »Tu dies, dann das, laß dich nicht drängen und hetzen, übe Geduld.« Der Alltag erinnert mich zuweilen an eine Schulstunde in der vormaligen Schubart-Volksschule an der Frankfurterstraße in Ludwigsburg, als die Lehrerin, Frau Kirchner, eine ausgesprochen vornehme Dame aus dem ehemaligen Ostpreußen, im Geiste einer unendlichen (nahezu kosmisch weit anmutenden) Geduld uns Kindern die einfachsten Sätze diktierte, daß wir diese, Buchstaben malend, in unseren Heften mit Eselsohren festhielten ( – aus meiner Sicht die Geburtsstunde vielleicht der Literatur im Kontext meiner Biographie). Gerade insofern, als er zu trösten vorgibt, Heimat stiftet, erweist er sich, der Greis, den ich Alltag heiße, als tragisches Phänomen: Gelassenheit vermittelnd (kraft der ritualisierten Geste des Haushaltversorgens), deckt er den Abgrund zu, vor dem wir stehen. Indes wir werden die Tragödie nicht zu Ende denken müssen, wir werden nicht hinabstürzen – es ist nur ein Fallen (wie das Vom-Baum-Fallen der reifen Frucht, welche, auf der Wiese liegend, darauf wartet, daß sie aufgelesen wird).

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)