Der Hinterhof von frühen Nebeln verklärt eines auf den Thron steigenden Herbstes. Es sind auf denselben Namen getaufte Nebel, die vor Jahrtausenden bereits auf den Städten lagen und den Meeren, die ewig wiederkehrenden Nebel. Es gehört zu den verwegenen Illusionen des Denkens, ein Gesetz des Werdens ergründen, Koordinaten einzeichnen zu wollen in den Lauf der Dinge. Alles bleibt in Nebel gehüllt. Wenn wir vor Christus stehen im Gericht, werden wir vielleicht zur Kenntnis nehmen müssen, daß wir immer noch in eine Urkonstellation eingebunden sind, die homerischen Kriege wie auch Kains Brudermord näher uns sind als nahe; die biblischen Propheten ›beschreiben‹, was geschieht – mitnichten herbeigerufene Experten, die vorgeben zu wissen, was morgen sich zutragen wird. Die frühen Nebel des 27. Septembers 2018 besuchten vorzeiten Moses unbekanntes Grab, Sapphos Grab, Mallarmés Grab. Die frühmorgendlichen Nebel kommen scheinbar von weit her – wo sie doch eigentlich nur aus dem spaltbreit geöffneten Fenster des nachbarlichen Hauses geklettert. Die Nebel der Frühe sind Handschriften des Todes wie auch solche der Schönheit. Besagte Nebel, die Schiffe aus den Häfen hinausziehen aufs offene Meer, sind, einem grauen Wollschal vergleichbar, über die Schultern der Fabriken geworfen und der Universitäten. Die Entwürfe wissenschaftlichen Denkens, die Werke der Kunst, die Reisen ins Universum – es entspricht alles einem Handschuh, den man ins Grab der Pharaonin wirft.

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)