Es entspricht meiner tiefsten Überzeugung, daß alle Kriege dieser Zeit (wie alle vorangegangenen und zukünftigen) geführt werden, um Christus zu töten. Nur scheinbar werden die Kriege gegen Menschen geführt, die natürlich das unsagbare Leid zu tragen, zu ertragen haben, die wie Christus leiden müssen – tatsächlich suchen die bewaffneten Horden und Scharen, die Knechte der Vernichtung, die die Städte zerstören, den Christus. Sie sind auf der Suche nach Christus »wie Jäger auf der Suche nach Wild.« Ich sehe die haßverzerrten Gesichter vor mir, die Gesichter von Männern, »die in den Häusern suchen, in den Wäldern, im Gebüsch, auf den Bergen, in den Tälern umhersuchen, um Christus aufzuscheuchen, um ihn umzubringen wie einen toll gewordenen Hund.« (Curzio Malaparte, Die Haut). Marodierende Truppen immer neuer Herbststürme belagern die Dörfer.

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)