Die Nächte werden kälter. Beim Rauchen der geliebten italienischen Billigzigarre (Toscano antico; auf Schwäbisch ein klassischer ›Schtumpen‹, zu welchem ich, einer Tübinger Stiftler-Tradition gehorchend, Trollinger trank) hatte ich den grauen, eleganten Wintermantel über die Schultern geworfen. In der Nacht zu sitzen, nicht zu lesen, den Stift nicht übers Blatt zu führen, kommt der vollkommensten Art platonisch-paulinischer Schreibenweise ausgesprochen nahe (Platons 7. Brief & 2. Kor. 3). Der nur gedachte, in den Wind notierte Schriftzug läßt an die Barke denken, die, den Hafen verlassend, ins Offene hinaustreibt des Sees.

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)