Inwiefern kann man sagen, Jesus sei Davids Sohn (Matth. 1, 1)? Auf zwei Taten nur kann rekurriert werden, die ein Verbundensein der beiden über Epochen und Jahrhunderte hin aussagbar machen: Davids Spiel auf der Harfe, welches Licht brachte in Sauls Schwermut (1. Sam. 16, 23) und Davids Klagelied über Saul und Jonathan (2. Sam. 1, 17ff.), welches wiederum die beiden Getöteten ins Licht der Auferstehungswelt Jesu einrückte. Ein Schwermut und Tod hellmachender Gesang erweist sich als das Verbindende. Jesus ist die Harfe. Jesus ist das Klagelied. Jesus ist das Antiquariat, in welchem ich die wunderschöne Ausgabe der DUINESER ELEGIEN zu erstehen die Freude hatte. Jesu Lied steigt in meine Zisterne herab. Ich habe all die Jahre über der Melodien viele vernommen. Eine einzige, die mich in ihren Bann zu ziehen, zu elektrisieren vermocht. »…Ich gehe durch den Staub rötlich / ausgebleichter Ziegel, die zerbrochen. Milder Abend, der mich an algig / verbrackten Wassern dann entlanggeführet / eines Kanals.«

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)