Häufig unterwegs dieser Tage, was mir gar nicht gefallen will. Stets habe ich der stabilitas loci gefrönt. »Es war immer nur die kleine Welt von Württemberg die mich umhegt / Vor meinen Augen brach das Dämmern eines Dorfes in die Knie / Ängstlich doch der Tiere Harren auf dem Heiweg in die Städte / Damals die Kindheit wie ein Brombeerzweig am Bahngleis nach Paris.« (aus: DIE AMSEL DIE WILD FRIERT SIE HAT IHR LIED VERLOREN) Jeder Art des Reisens, die etwas anderes war als ein Aus-dem-Haus-Gehen und Loswandern mußte eine innere Ablehnung überwinden. Es war immer nur das Wandern, das meine Zustimmung fand. Natürlich ließ es sich nicht vermeiden, in Zügen, Taxies, Flugzeugen, Bussen, im PKW Entfernungen zu überwinden. Das entschieden denkerische Unterfangen meiner irdischen Existenz: im klein umgrenzten Raum einen Schritt nach dem anderen zu tun; will bedeuten: im Gedicht zu wohnen. Das Gedicht steht für die kleinste Einheit des Denkens, welche das Größte (das Kosmische) spiegelt. Venezuela oder Alaska haben mich nie interessiert als geographisch beschreibbare Länder und Landschaften. Es war immer das Universale, dem mein Herz gehört. Dies auch der Grund, weshalb ich nie längere Zeit außerhalb Baden-Württembergs verbracht (wobei anstelle von Württemberg auch Yorkshire oder die Basilikata, irgendeine beliebige Grafschaft der alten Erde stehen könnte). Wandern, Herumsitzen, Schreiben, Denken (in Hingabe ans Buch) – dem Ort als solchem kommt keinerlei Bedeutung zu (ob Industriegebiet, historische Altstadt, die Flächen langweiliger Architektur, Dorf oder Metropole – es ist das Gespräch mit dem Universum, dem Kommenden, den Fiebern der Apokalypse, die auch in der Verlorenheit einer Vorstadtkneipe glühen –––

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)