In der Stadt meiner Kindheit sah man gegen Ende der Fünfzigerjahre ein- ums andere Mal Kriegsinvaliden durch die Straßen gehen: bein- oder armamputierte Männer – über deren Erscheinungsbild wir Kinder sehr oft herzlich lachten, zu spöttisch-dummen Bemerkungen uns hinreißen ließen. Wir ahnungslosen, grausamen Kinder einer Generation zwischen den Kriegen!

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)