Giorgos Seferis deutet in einem seiner späten Gedichte (»Brief an Rex Warner, wohnhaft in Storrs, Connecticut, USA, Zu seinem Sechzigsten« New York, Juni 1965 – Princeton, Winter 1968) die Dichtkunst als Gezwitscher: »Jetzt hast Du Deinen Schzigsten und ich kann Dir / nichts weiter schenken / als dieses unnütze Gezwitscher (toúto t’anōphelo titíbisma).« Das erinnert an eine Robert-Walser’sche Bescheidenheit; wiederum aber auch daran, daß die Stimme der Spatzen da ist, ob man sie vernimmt oder als über ein selbstverständlich Vorhandenes darüber hinweghört. Im Schöpfungsbericht der Heiligen Bibel geht alles Erscheindende hervor aus dem poetischen Urwort, welches Gott spricht. Dies Urwort ist als Anklang unablässig zugegen; es trägt gewissermaßen die Welt. Das »Unnütze Gezwitscher«, von Seferis beschworen, erweist sich als erster Anhauch eines Buchstabens. Die Schultern des Ur-Wortes tragen Materie und Leben, die Vielfalt des Erscheinenden. Wie sehr ich es liebe, dies unnütze titíbisma.

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)