Das Wunderbare an »Tristram Shandy«: Daß Laurence Sterne, Autor und Landpfarrer, nicht (bzw. stets allmählich nur über zahlreiche Umwege) zur Sache kommt, sich, irgendwelchen beiläufigen Beobachtungen folgend, wegziehen läßt vom stringenten Berichten. Indem er also Verzweigungen abschreitet, auf dies und das zu sprechen kommt, entdeckt er den unterirdischen Verlauf menschlicher Wahrnehmung, den Delta-Charakter von Denken und Sprache. Als vermeintlich zerstreuter Beobachter wird er den eigentlichen Bewegungen (jenem Fließen und Ausufern – anderes können Denken wie Leben nicht sein) entschieden gerecht. Der »Tristram Shandy« ist ›logischer‹ als jede mathematische Formel.

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)