Das Niederfallen vor der Krippe erscheint mir als Stimmgabel des Seins. Man darf nicht allzu grobschlächtig das Ja zu Christus einem Nein gegenüberstellen. Ich verweise auf die Zwischentöne. Christus als absolute Erscheinung des Göttlichen durchdringt und umarmt den Kosmos (Er sagt, damit den Höhepunkt markierend jeder Christologie: »Ich und der Vater sind eins« Joh. 11, 30) – kraft solcher Hoheit und Souveränität kann unsere persönliche Haltung ihm gegenüber seine Herrschaft weder in Frage stellen, anfechten, noch festigen. Seine Herrschaft bedarf keiner menschlichen Unterstützung; die Ablehnung der Christus-Herrschaft menschlicherseits darf in ihrer Ohnmacht eher als tragisch anmuten. Der Geheimnisumwitterte braucht uns nicht; wir sind auf ihn angewiesen. Daß er sich uns zuwendet ist reine Gnade (und in diesem Zusammenhang fände man kein anderes Wort, das hinreichend erschiene). Seine Höhe entbindet uns von der Verpflichtung für ihn zu streiten. Wir dürfen musizieren auf dem Instrument seiner heiligen Gegenwart; an die unergründbare Schönheit rühren, an seine Melancholie; wir dürfen aus seiner gnädig zugewandten Hand den Tanzschritt empfangen, das Vermögen, an der Welt und ihrer Aufregung vorübergehen zu können; seine Gegenwart ein einziger Wink! Der Glaube an Jesus repräsentiert ein Reich der Zwischentöne. Er beantwortet Nietzsches leidenschaftlichste Frage: was vornehm sei? Der Kniefall vor dem hohen Christus ist die Stimmgabel meines Seins, die Feier der Zwischentöne.

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)