Es weht ein kühler, mit Regenmuster verzierter Wind, dem Haare in die Stirn heut hängen. Im ganzen Haus klingeln die Telephone (von welcher Gestalt auch immer, als durch die Straßen getragene, im Bett unterm Kopfkissen verborgene, auf dem Schreibtisch stehende, jedenfalls über die Maßen gewichtige Apparate) — ich stelle mir vor, wie sie überall klingeln, die Telephone , im Quartier, in der Stadt, in Württemberg, im Vaterland, in der Muttersprache, in der ganzen westlichen Hemisphäre. Ich möchte das melancholische Moment des klingelnden Telephons anerkennen. Ein Zitat aus »Under the Volcano« von Malcolm Lowry mag mein Anliegen unterstreichen: »Nein, laß es klingeln, sagte der Konsul, als Hugh zurückgehen wollte. Es klingelte weiter (denn Concepta war ausgegangen), und das Geklingel stieß an die Wände der leeren Räume wie ein gefangener Vogel; dann hörte es auf.« Die technische Welt hat ihre Melancholie und poetische Versonnenheit. Der kühle Wind ­–––

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)