Die Schritte tröpfeln an der rive gauche entlang. Des Eindrucks, es handle sich bei der offiziellen Kultur der frühen Moderne (bzeichnen wir unsere Zeit an dieser Stelle so – wer wollte denn wissen, als in die Zeit selbst Eingebundener, in welcher Epoche wir leben? Prae…post…– von einer Zwischen-Moderne auch könnte die Rede sein ––– in zweihundert Jahren werden sie womöglich unseren Palast einer extraindustriellen Schleife zurechnen) – es handle sich in Sachen Kultur also um den Apparat einer Stadtverwaltung. Stände, Riesenräder, WC-Boxen und und…werden aufgebaut, benutzt, wieder zusammengefaltet, zusammengeschoben und entsorgt. Die eigentlichen Veranstalter erweisen sich als Straßenkehrer von großem Format. Nach der Party kommen die Kehrmaschinen und Besen und schieben alles zusammen. Feines und Grobes, Nachdenkliches, Marktschreierisches, Helles, Abgründiges ––– das große Reinemachen faßt alles mit Schaufeln und wirft es in die Container, verbringt diese in die Müllverbrennungsanlage. Die verborgene und eigentliche Kultur ist ein Bleistiftstrich, eine Fußwaschung, ein Morphem, ein Handstand, ein Abendlied. Meine Schritte tröpfeln an der rive gauche entlang.

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)