Vorhänge schwarzen Kaffees verhängen Fenster der Labaroatorien. Forscher sitzen Geräten gegenüber, die mit ihnen sprechen; aber sie schauen nicht nach draußen, sind nur mit sich selbst, mit ihren Geräten beschäftigt, mit ihrem Fragen, der Erinnerung womöglich an die Schatten, welche ein kleines Nasenbluten gestern geworfen. An Fenstern zu stehen, hinauszuschauen scheint mir die Metapher der Nachdenklichkeit zu sein. Wenige indes, die an die Fenster treten, deren Blicke zu erfassen suchen, was draußen vonstattengeht. Wir wohnen in uns selbst. »Jeder Mensch in seiner Nacht« (Julien Green). Es klingt wohlwollend und barmherzig das Ansinnen, für andere einzutreten. Die Jahrzehnte unter heraufziehenden Wettern stimmen einen jedoch nachdenklich. Ein Lorbeerbäumchen wird geschüttelt vom heftigem Wind, dessen Fuhrwerke mit Regenwürfen beladen. War vielleicht doch der französische Existenzialismus (gerade mit seiner halbfertigen, zusammengebastelten, in Caféhäusern vor sich hinsterbenden Philosophie) die klügste Antwort auf die NS-Tyrannei? Diese Bereitschaft, sich einzurichten im Scheitern, im Verlorengehen – Kinofilm eher als Kammermusik, Spaziergang der Bleistifte eher als Dramaturgie? Dieser Zustand eines Übermüdetseins, traumverlorenenen Herumstocherns in Essensresten. Das Bewohnen eines Hotelzimmers im damals grauen Billancourt drei Jahre lang.

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)