The german ANGST ––– wir werden verhöhnt (von Landsleuten recht besehen zumeist, die herabschauen auf uns Mühselige und Beladene); vorgehalten wird uns, wir, sagen wir, ansatzweise verallgemeinernd, die Intellektuellen, trügen so sehr viel dazu bei, daß eine depressive Grundstimmung vorherrsche in deutschen Seelen, auf deutschen Straßen. Dabei wird die Kierkegaard’sche Unterscheidung zwischen Furcht und Angst unterschlagen (jedenfalls außer Acht gelassen). Sie wäre nämlich gehalten, die Internationale der Frohgemuten, von einer german FURCHT zu sprechen – ANGST steht für ein gänzlich anderes Phänomen: für jene seelische Unruhe nämlich in uns, welche über die Betonumgrenzungen, die den Alltag umschließenden, den Zeitgeist einkreisenden Gatter und Zäune, hinausempfindet. Es ist die Angst, wie sie sich im Johannesevangelium angedeutet findet: »In der Welt habt ihr Angst,« sagt der Herr, »aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.« (Joh. 16, 33) Dazu Johann Georg Hamann, Denker, Sänger, leidenschaftlichster aller Christuszeugen: »Diese Angst in der Welt ist aber der einzige Beweis unserer Heterogenität. Denn fehlte uns nichts, so würden wir es nicht besser machen als die Heiden und Transzendental-Philosophen, die von Gott nichts wissen und in die liebe Natur sich wie die Narren vergaffen; kein Heimweh würde uns anwandeln. Diese impertinente Unruhe, diese heilige Hypochondrie ist vielleicht das Feuer, womit wir Opfertiere gesalzen und vor der Fäulnis des laufenden saeculi bewahrt werden müssen.«

Autor: fentzloff

Ulrich Fentzloff, 1953 in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Studium der Evang. Theologie und der Philosophie an der Universität Tübingen. Vikar in Leonberg-Silberberg. Pfarrverweser in Unterlenningen, am Fuße der Schwäbischen Alb. Gemeindepfarrer in Kirchberg/ Jagst (Hohenlohe), an der Johanneskirche in Stuttgart, und schließlich, 25 Jahre lang, bis Sommer 2016, in Langenargen am Bodensee. Lebt als Dichter in Konstanz. Absichtlich deckt den Ausgang des Tages zu, Umnachtet das Zukünftige uns der Gott Und lacht, wenn sterblich eins zu sehr be- Sorgt, was geschehen wird. (Horaz, in der Übersetzung Friedrich Hölderlins)