Oft träume ich Gedanken – beim Erwachen kann ich mich nur noch ans Denken (ans Gedachthaben als solches), an den Inhalt des Gedachten jedoch nicht mehr erinnern. Gleichwohl: Der Gedanke als Gedanke, der Vollzug des Denkens, Denken als Prozeß, verbindet mich mit der Transzendenz. Das Denken als solches darf als Trinkwasser, Arznei der Unsterblichkeit (pharmakon athanasias) verstanden werden. Denken gemahnt an den wunderbaren Strom, der unter der Schwelle des Tempels nach Osten herausfloß (Hes. 47, 1). Denken ist heiliges Wasser, das aus Gott herausflutet, unser Dasein quert. »UND an dem selben Strom am ufer / auff beiden seiten / werden allerley fruchtbare Bewme wachsen / und ire Bletter werden nicht verwelcken / noch ire Fruechte verfaulen / und werden alle Monden newe Fruechte bringen. Denn ir Wasser fleusst aus dem Heiligthum / Ire Frucht wird zur Speise dienen / und ire bletter zur Artzney.« (Hes. 47, 12, Biblia germanica 1545)

Hochragende Bäume an Ufern des Seerheins; in ihren Kronen spielt ein Wind aus Kana, Galiläa: Wasser in Wein wandelnder Hauch (Joh. 2, 1ff.), Lebensernst, das Ringen um Hiersein und Nicht-Untergehn, wendend in Anmut, Heiterkeit – aus dem Inneren des Wildwuchses klingt Trommeln, dunkles, des Taubenrufs. Wie viele Abende haben meine Augen gesehn (Sonnenuntergänge, die wie Briefmarken auf einem leeren, nicht beschrifteten Umschlag – die Herkunft einer solchen Hochzeit von Schönheit und Barmherzigkeit im Ungewissen verharrt)? Wie viele Abende, Untergang, der kein Erlöschen und kein Sterben, haben meine Augen gesehn? In mein Notizbuch notiere ich die Namen Johannes Chrysostomos von Antiochia, R.M. Rilke, Josif Brodskij – mich daran zu erinnern, daß in den übers Folterkreuz hingebreiteten Armen viel mehr an Liebe webt als in allen Umarmungen der Welt. Ich nehme das Feuerzeug aus meiner Umhängtasche, lasse die Flamme aufleuchten, trage die züngelnde Stimme des Lichts (den Schriftsteller Oleg Jankovskij des Tarkovskij-Films Nostalghia nachahmend) über den von Röhricht umfriedeten Weg. Ich nehme ein Streichholz aus der Schachtel, zerbreche es, ohne es angezündet zu haben, werfe die Teile in den Abend. »…in mir weben nicht nur Torheit, Armut, Tölpelhaftes; / das Höchste vielmehr auch der wunderbaren Heilung. / Es ist alles heut wie Trunkenheit und wie ein alter grauer Regen.«

In Goethes Egmont wird eine erstrebenswerte und der Erhaltung würdige bürgerliche Gemeinschaft im Wesentlichen an vier Begriffe geknüpft: Sicherheit, Ruhe, Ordnung, Freiheit. Antiutopische Begriffe, um welche Hölderlins späte Pindarfragmente gleichermaßen kreisen. Besonderer Würdigung verdient an diesem Morgen, nach einer Nacht lärmspeiender, drogen- und alkoholvergifteter Horden, die die Gärten, Hinterhöfe und Straßenzüge zerschrien, »großmännlicher Ruhe heiliges Licht« (Hölderlin, StA 5, 283). Ruhe will allerdings viel mehr bedeuten als Abwesenheit von Lärm. Ruhe meint in diesem höheren Sinn ein Eingewurzeltsein des Menschen in erahnbar kosmische Ordungen. Wir wissen, wie sehr Ängste, Zerwürfnisse, Sorgen unseren Atem zu kreuzigen vermögen; wie der allgegenwärtige Krieg seine Motorschlitten in Risse und Fugen hineinzwingt der Menschenseele. Das Wurzelwerk unserer Existenz indes darf gründen in einer heilig dichterischen Sprache milder Wetterlagen (»Tagsüber fiel Regen, der wie ein Kellner elegant / Und liebevoll bewirtete den See, Weine / An die Tische trug der grauen Teller. / Ihr feinen Weine meiner Christusdörfer«); darf gründen auf der urgöttlichen Sandbank, die, überspült und überflutet wie auch immer, unbedingtes Zugegensein pro nobis verheißt und zuspricht; darf gründen in der Anschauung, daß im Universum Hingabe vorherrsche und letztendlich siege über alles Katastrophische. Besagte Ruhe gründet auf der Gewißheit: unser Wandern durch die Zeit ist umhüllt von einer Aura der Hingabe (»Also hat Gott die Welt geliebet / das er seinen eingeboren Son gab / Auff das alle die in in gleuben / nicht verloren werden…« (Joh. 3, 16 , Biblia Germanica). Dantons Weg aufs Schafott war in diesem Sinne der Weg einer pindar’schen hesychia, der Weg göttlicher Ruh (»Über allen Gipfeln ist Ruh…«); Ossip Mandelstam schaut Augenblicke vor seiner Hinrichtung das Christuslicht. Ruhe darf in dieser Hinsicht nicht mißverstanden werden als Gegenargument. Sie ist von nichts das Gegenteil. Sie ist der Grund, aus welchem aufsteigt unser Sein, in welchen es einmünden wird. Sie, hesychia, die Ruhe, ist allerdings kein Schlaf. Sie ist Dialog mit Gott. Sie ist Bibliothek, Pindar-Sprache, Evangelium, Abendlicht über den Segelbooten jenes kleinen Hafens, welcher an das Gottlieber Schloß grenzt, dort Jan Hus und Hieronymus von Prag gefangengehalten wurden.

Leise, aus der Ferne vernehmbar: daß ein dunkel Grollen des Donners, behutsam nahezu, an die Tür klopft; uns daran erinnert, daß mit den Gewittern ein ewig Kriegerisches, nicht Wegzudenkendes, in unser Leben wieder und wieder treten wird. Die Militärparade eines hereinmarschierenden Regens; dabei ein Hausgiebel, in krassem Widerspruch zur Nacht der Wolken, im Sonnenglast sich augenblicklang noch präsentiert, um im darübergeschütteten schwarzen Wasser sodann unterzugehn. Die Ziegeldächer der alten Häuser ertragen Wetter, die in allen Farben und Tonlagen auf sie klopfen. »Was ist der Mensch / das du sein gedenckest?« (Ps. 8; Übersetzung Martin Luther, Biblia Germanica 1545)

In einer Nacht von Sonntag auf Montag stürzten Regen und Schlaflosigkeit auf die Gedanken der Menschen. In Rinnsteinen hatte Abfall sich angesammelt (Schmutz, der zu unserem Leben gehört): Orangenschalen, Plastikteile, Papierfetzen, Zigarettenkippen, Reißzwecken, Tränen der Menschen – Weggeworfenes eben…Ob Füße der Engel solche schwarz zerregneten Fragmente und Splitter berühren? Müll ist kein Wacholderstrauch, der im Frühjahr blühen würde. Schutt ist nackt. Müll des Rinnsteins (und aller Schutthalden) gehört zum Gedicht unserer Tage. Wir mögen den Blick anderswohin richten – Flüsse insektenheimgesuchten Kehrichts, die an schwarze Fingernägelränder denken lassen des Seins, gehören zum Unerlösten, erinnern uns daran, daß wir nicht umhin können, Frieden zu schließen mit einem allzeit vorherrschenden Streifen Schmutz an Rändern und Ufern unserer irdischen Zeit.

Boote tragen ihre Lichter und ihren Abend den Fluß herauf. Wann wird das Kapitel der Musik aufgeschlagen in unserer Biographie? Mit den ersten Fingerübungen auf einem Instrument, einem ersten Herumstochern im Klang? Bringen wir sie mit ins Leben, die Musikalität, von anderswoher? Wäre irgendein irdisches Phänomen denkbar ohne die Aura der Musik? Könnte man jenes Nichts, welches jeden Ansatz von Sprachlichleit verschlingt, gleichwohl klanglich erfassen? Wäre das Universum aus einem Ur-Klang herausgewachsen? Einer Melodie zu folgen, kann doch nur bedeuten, daß wir beim Hinaufsteigen einer Treppe im fremden Haus bei Dunkelheit uns vom Verlauf des Geländers führen lassen. Erwachsenwerden meint zunächst, den Gesang, den sorglosen, der unsere Kindheit ausleuchtet, zu vergessen. Wohnte ein Weinen bereits in den ersten Liedern? »Der Tisch mit Partituren, Manuskripten übersät / Texte waren Harfen mir von früh bis spät.« Der erste Geiger einer Philharmonie ist im Begriff, mit seinem Fahrrad ein Kind zu überholen, das die Geige in einer Hülle auf dem Rücken trägt. Er sagt: »Ich spiele auch Geige.« Das Kind hält an, steigt vom Rad, lehnt dieses gegen einen Gartenzaun und spricht, dem Berufsmusiker hinterherschauend, vor sich hin: »Das klingt interessant…Wann wird der erste Schnee des Jahres fallen?«

Ich unterläge dem unabänderlichen Schicksal, einen Gegenstand verlieren zu müssen. Sofern ich die Möglichkeit hätte, zu wählen, was würde ich eher behalten wollen – den schönen Füller oder das äußerlich armselige Heft, darin die schriftlich niedergelegte Gedankenvielfalt, die gegebenenfalls einem Vergessenwerden anheimfiele? Teurer Füller oder sehr billiges, indes gedanken- und metapherngesättigtes Notizbuch, ein Buchstabengarten? Sind wir Briefe Christi (wie 2. Kor. 3, 2f. nahelegt)? Sind wir mit Tinte oder mit Geist geschriebene Briefe? Instinktiv würden wir uns dafür entscheiden, das Notizbüchlein herzugeben. Wenn aber aus göttlicher Perspektive der Gedanke (als Bote einer Idee, einer platonischen Idee) sich als wertvoller erwiese? Jeden Tag drohen uns vergleichbar unlösbare, in banale Konstellationen hineingezeichnete Groß-Fragen zu zerreißen. Es ist nicht so einfach, sich von einer Überzeugung leiten zu lassen. Auch Überzeugungen sind Halme, die schwanken im Wind. Ein Gedicht würde niemals etwas einfordern; der Dichtung eignet ein passives Moment. Alle Versuche, sie in ein Manifest umzugestalten, dürften als gescheitert gelten. Dichtung drängt den einzelnen in keine Ecke, in kein Sich-Entscheiden-Müssen; Dichtung ist ein Bote, der von fernerher ein Winken schenkt, Vertrauen stiftet, an die Schönheit der uns vor Augen liegenden Welt erinnert. Das Gewalttätige, Großtuerische, Entschiedenheit Vortäuschende weiß sich bestrebt, Poesie zu zerstören. Der Gewalttätige möchte ein Gott sein. Allein der Hieb mit dem Schwert führt in die Verzweiflung. »…Wenn einer gesunden Segen bewässert, / ausreichend hat an Besitztümern und guten Namen hinzusetzt, strebe er nicht, ein Gott zu werden.« (Pindar, Fünfte Olympische Ode, v 23ff.) Ich wertschätze den stillen, vornehm melancholisch gestimmten, die Augen aufhebenden Menschen. Von welcher Erhabenheit die Klänge der Orgel und des Cellos (gerade dort, wo sie langsam über Baumwipfel streifen). Wir sind Briefe Christi, nicht mit Tinte geschrieben, wohl aber mit Geist.

In diesem Jahr des Hölderlingedenkens (vor 250 Jahren erblickte Hölderlin in Lauffen am Neckar das Licht der Welt) wurde uns einmal mehr ein Film über das Leben des Dichters vorgestellt. Ich habe den Film im Stuttgarter Literaturhaus zu Anfang des Jahres gesehen (im April, meine ich, sei er auf ›Arte‹ auch gezeigt worden – vielleicht auch noch im März). Hölderlinfilme, wie auch die meisten entsprechenden Biographien, stellen uns einen aufsässigen, kritisch-revolutionären Geist vor Augen: ein wenig alternativ, verschwiegen; einer, der durch Landschaften streift in der Kabanjacke, neuerdings eher engen Jeans, mit Stiefeln, die aus dem Hause ›Timberland‹ kommen dürften; der unvermeidliche Rucksack natürlich; bzw. die Umhängtasche… Ein – man muß es einfach so sagen dürfen – zweifelsfrei ›cooler‹ Typ und wie deutsche Fernsehkommissare natürlich ansatzweise mürrisch. Ein nicht wegzudenkendes Moment des Verträumtseins naturgemäß untermalt mit Melodien aus irgendwelchen Smartphones. Ein Bild, das womöglich den schwäbischen Seminaristen und Theologiestudenten aus den Essenzen der mediterranen Küche, der zeitgeistlichen, zusammengebraut – das mit dem prophentischen Ernst der wesentlichen Dichtungen ab 1800 indessen nichts zu tun hat. Gerade im sog. Spätwerk findet sich ein Suchen nach Gesetz, gerechter Herrschaft, nach Ordnung (»Wie der Mensch sich sezt, ein Sohn der Themis, wenn, aus dem Sinne für Vollkommenes, sein Geist, auf Erden und im Himmel, keine Ruhe fand, bis sich im Schicksal begegnend, an den Spuren der alten Zucht, der Gott und der Mensch sich wiedererkennt, und in Erinnerung ursprünglicher Noth froh ist da, wo er sich halten kann. Themis, die ordnungsliebende, hat die Asyle des Menschen, die stillen Ruhestätten geboren…« Die Asyle / Pindarfragmente, StA V, S. 288). Die Moderne erscheint in diesem späteren Ringen um die Nomoi, die Gesetze, als »das Freche« und »Wilde« Friedensfeier, v 55f.), jeder Gestalt von göttlich gestifteter Ordnung feindlich Gesonnene: »…jetzt, / Da Herrschaft nirgend ist zu sehn bei Geistern und Menschen.« (Friedensfeier, v. 27f.) Hölderlin auf der Suche nach einem Königtum, das irdisches Machtstreben verwirft (» „König“ bedeutet hier den Superlativ, der nur das Zeichen ist für den höchsten Erkenntnißgrund, nicht für die höchste Macht.« Pindarfragmente, StA S. 285) – ein Königtum sehr wohl, welches Heilsstrukturen des Kosmischen möglicherweise spiegeln dürfte (die urplatonische Sehnsucht also nach philosophischem, Seelenheimat spendendem Geborgensein in der Schönheit des Christus: »…Denn zu sehr / O Christus! häng‘ ich an dir« Der Einzige, v 50f.). Welcher Schauspieler könnte diesen Hölderlin des Ernstes und der Christusfreude, den die Moderne in Frage stellenden Propheten geben? Mir fällt nur der Erland Josephson der Tarkovskij-Filme »Nostalghia« und »Opfer« ein, – man müßte Josephson aus dem Reich der Toten herbitten, ach… Ich glaube, daß Friedrich Nietzsche das späte Werk Hölderlins, das er nicht gekannt, verstanden hätte (wer aber, der Nietzsches Anliegen verstünde unter den Heutigen?): »Der ganze Westen hat jene Instinkte nicht mehr, aus denen Institutionen wachsen, aus denen Zukunft wächst: seinem „modernen Geiste“ geht vielleicht Nichts so sehr wider den Strich. Man lebt für heute, man lebt sehr geschwind, – man lebt sehr unverantwortlich: dies gerade nennt man „Freiheit“. Was aus Institutionen Institutionen macht, wird verachtet, gehasst, abgelehnt: man glaubt sich in der Gefahr einer neuen Sklaverei, wo das Wort „Autorität“ auch nur laut wird.« (Götzen-Dämmerung, KSA VI, S. 141) Um Mißverständnisse gar nicht erst aufkommen zu lassen: Poetische Denker wie Hölderlin und Nietzsche loten einen tieferen Begriff von Herrschaft aus – einen geistig-religiös und nicht machtlüstern gegründeten, um gegen die moderne Tyrannis (ich denke an China, Rußland, die Türkei, Iran…) zu votieren. Poetisches Denken verträgt sich ausschließlich mit demokratischen Strukturen; allerdings weiß es sich einem philosophischen Ernst verpflichtet wie auch der unbedingten Bereitschaft, freiheitliche Demokratien, deren Institutionen insonderheit, zu verteidigen.

Beinahe, daß die Schwalbenschar, tief herabtauchend in die Sphäre der Menschen, die Uferkante berührte des Sees. Ob sie, die alles Schwere verachten, die in den Winden wohnen, im flüchtigen Jahr, die Schwalben, die an keine Gräber treten, gleichermaßen streifen die Ängste derer, die durch den Regen gehen unter Schirmen oder Kapuzen? Die kleinen Vögel, oft gesehn und wohlbekannt wie Etiketten in Mänteln und Kleidern – ob ihr Flug, der kreist um keinen Thron, dem jedes Louis-quatorze-Gehabe fremd, andeutungsweise gelesen werden könnte als Gebet für die suchenden Seelen trauriger Passanten. Schwalben lachen nicht und weinen nicht; ihr Flug aber ist Lachen und Weinen. Schwalben beten nicht; ihr Flug aber ist Gebet (Gebet nicht zuletzt für Städte wie Coventry und Dresden und Hiroshima und Aleppo – wieviele Städte werden noch zusammensinken unter den Spielzeugen, die aus Himmeln auf sie fallen). Schwalben werden nie auf einer Bühne oder einer Kanzel stehen; ihr Flug ist Schauspiel und Gottesdienst. Schwalbenflug darf verstanden werden als Ausdruck einer Metamorphose, der alle Dinge (Kraftwerk, Staudamm, Kamm und Schere, Bleistift, Waldhorn und Kelch), alles Leben überhaupt, der Kosmos als Ganzer unterworfen. Ungeachtet besagter Leichtigkeit und Eleganz, erkenne ich im Flug der Kleinen und Geringen jene Macht, welche, ein dunkles, nicht wahrnehmbares Fließen, die Jahrtausende trägt, die Sänften der Götter – Macht, welche Nischen der Antimaterie umflutet, jedes Atmen in den Abgrund reißt wie auch die Saiten zupft einer Gitarre des Lichts.

mais où sont les forêts d’antan

Unruhig der Möwenschwarm um die Fähre im Hafen.
Kein Ruf – die Schreie nur, zerfasert, und eifrig massenhaftes Flattern,
Stürzen, Steigen, Weiterziehn und Wiederkehren.

Möwen: Weißes Schaumgebäck
im Gegenüber zu den Blutergüssen
von Wasser und Erde.

Also stolpert eine Andeutung von Hiersein mit seinen hundert-
tausend Albernheiten wild an mir vorüber.
Ich vergesse mich im Plaudern mit den Halmen, verliere mich
im Anblick antiker Strafgaleeren auf adriatischer See
nahe bei Brundisium.

Der Wind weht mir den Geschmack
eines anfänglichen Trinkens zu aus dem
Kelch des Abendmahls,
der Jahrmärkte gebrannte Mandeln.
Leere Straßen nach dem Krieg.

Ich muß an die Dichter denken in den Lagern –––

Kahl geschorenen Haupts
der Nußbaum wie ein Prophet im Garten nahe der Umgehungsstraße wacht.
Wetter, vielsprachig, stürzen über mich herein. Vom Sturm geschüttelt
Grün-Erlen unter schiefschultrigen Gipfeln der Alpen.
O Schwarz-Dorf-Existenz, angst- und wüstenmundumgarnt,
bar jeder Anmut, weit von Seine und Marne entfernt,
vom Landhaus eines Dichters, einer Araukarie der Anden,
welche lust- und lügenmundummauert.

Unterdessen Wildtauben Botschaften picken
aus Bäumen – Wissen, unvermutetes Wissen,
das sie zu gebenden Händen tragen.